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Der Bodensee und die Literatur

Eine Frau liest ein Buch und steht am See. Im Hintergrund geht die Sonne runter.

Der Bodensee und die Literatur

Literarische Werke aus der Bodenseeregion und über die Bodenseeregion sind die perfekte Lektüre, wenn man einen poetischen Blick auf das beliebte Urlaubsziel werfen oder sich gefühlvoll auf die Ferien einstimmen möchte. Ob alte oder neue Texte, Romane oder Gedichte: Hier gibt es mehr zu lesen am Bodensee.

Eine Frau liest ein Buch und steht am See. Im Hintergrund geht die Sonne runter.

Oh wunnikliches paradis, zu Costnitz han ich funden dich!

Oswald von Wolkenstein

„Oh wunnikliches paradis, zu Costnitz han ich funden dich!“, schreibt bereits Oswald von Wolkenstein in seinen Minneliedern, nachdem er die Stadt am Bodensee im Rahmen des Konstanzer Konzils 1414 kennenlernte. Doch der Bodensee hinterließ nicht nur gute Eindrücke bei ihm. In seinem Schimpflied auf die Preise in Überlingen heißt es beispielsweise: „Wer machen well den peutel ring, und im desselben wol geling, der frag den Weg gen Überling“. Die Botschaft ist deutlich und lässt Einheimische heute noch genauso schmunzeln wie damals: Das Leben am Bodensee ist zweifellos nichts für Geizige.

Die Stadt [Überlingen] ist mir, ist uns, das Vertrauteste, was wir als Stadt erlebt haben und es könnte nicht schöner sein.

Martin Walser im Interview mit dem Südkurier

Sehr viel positiver sieht der aus Wasserburg stammende Schriftsteller Martin Walser seine „Wahlheimat“ Überlingen. Die Vertrautheit zur Stadt, die Nähe zum Wasser, die alemannische Sprechart – Hier fühlt sich Walser zuhause und hier vollbrachte er auch den größten Teil seines Schaffens. Mit seiner Novelle Ein fliehendes Pferd verarbeitet er den Bezug zur Region eindrücklich, ebenso wie in seinem Heimatlob: Ein Bodensee-Buch, dass er zusammen mit einem befreundeten Maler 1998 herausbrachte. Bereits 1967 erhielt der Autor den Bodensee-Literaturpreis der Stadt Überlingen, auch wenn er gemessen am Gesamtwerk kein Heimatautor im engeren Sinne ist. Doch seine besonderen Werke, oft mit Figuren bestückt, die am Leben und an den Umständen scheitern, sind populär und sprachgewaltig genug, um so manchen Literaturliebhaber nach Überlingen zu locken.

Die Landschaft des Untersees wird mir zeitlebens fehlen, es sprechen an wenigen Orten so stark wie hier zu jedem Fenster herein See und Wald, Himmel und Wiese zu mir

Hermann Hesse (Bodensee: Betrachtungen, Erzählungen, Gedichte)

Schriftstellerische Prominenz kann auch die Halbinsel Höri nachweisen: Hermann Hesse ist zwar kein unmittelbarer Bodensee-Autor, verbrachte aber immerhin mehrere Jahre in Gaienhofen. Der Bodensee war eine reiche Inspirationsquelle für den berühmten Literat, wie er selbst in dem Buch Bodensee: Betrachtungen, Erzählungen und Gedicht zugibt. Hesse beschreibt die landschaftliche Schönheit des Bodensees, die geprägt ist von sanften Hügeln, grünen Wäldern und klarem Wasser. Er erzählt auch von den Menschen, die in dieser Region leben, und ihrer Kultur und Geschichte. In Gaienhofen führte  er ein naturromantisches Leben in einem Landhaus mit Garten zur Selbstversorgung, das er nach mehreren großen Reisen im Jahr 1912 verkaufte. Heute ist das Mia und Hermann Hesse-Haus eine historische Sehenswürdigkeit in direkter Nachbarschaft des Hesse-Museums: Zwei Gebäude mit einer gemeinsamen Geschichte, einem gemeinsamen Künstler-Patron und voller Erinnerungen an die inspirierende Verbindung zwischen Hesse und der Halbinsel Höri.

Die Heimat ist ja nie schöner, als wenn man in der Fremde von ihr spricht.

Horst Wolfram Geißler (Die Frau, die man liebt)

Nicht zu vergessen unter den Bodensee-Autoren ist außerdem Horst Wolfram Geißler, dessen bekanntester Roman Der liebe Augustin den Bodensee in ein romantisches Licht rückt. Die deutsche Auflage ist fast millionenstark, wurde verfilmt, vielfach übersetzt und häufig als Schullektüre verwendet. Die Hauptfigur Augustin Sumser wird hier mit ihrer faszinierenden Liebes-und Lebensgeschichte vor dem Hintergrund der napoleonischen Kriege dargestellt– und vor der Kulisse des idyllischen deutsch-österreichischen Bodenseeufers in der Region Lindau. Der Geburtsort der Figur ist derselbe wie Martin Walsers: Wasserburg. Hier fand Geißler, Ehrenbürger der Stadt, seine letzte Ruhestätte – so wie es auch Martin Walser vorhat.

Ruhig war es, das weiß ich noch, und schön, zogen lichte Nebelschleier über den See, war das Wasser klar und frisch und glatt.

P.B.W. Klemann (Rosenegg)

Glücklicherweise gibt es junge Nachwuchsautoren, die weiterhin für literarische Porträts der Bodenseeregion sorgen und die Botschaft weitertragen werden. Zu ihnen gehört etwa P.B.W. Klemann, der im Roman Rosenegg das Schwabenland nordwestlich des Bodensees in die Zeit des 30-jährigen Krieges zurückversetzt. Die packende Geschichte mit all ihrer Authentizität spielt zu großen Teilen im Hegau, wo der Autor selber beheimatet ist – ein Versprechen für alle lesefreudigen Bodenseegenießer.

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