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Christoph Nübel – Der Pionier vom Bodensee-Trüffel

Der erste kultivierte Trüffel vom Bodensee – Interview mit Christoph Nübel

Kurz vor dem Ziel wollte Christoph Nübel alle Bäume ausreißen und seinen Traum vom ersten kultivierten Bodensee-Trüffel aufgeben. Der Grund: Nach elf Jahren akribischen Pflanzens und Pflegens seiner kleinen Trüffelplantage im Raum Stockach hatte er bisher keinen der schmackhaften Pilze im Boden finden können. Was er damals nicht wissen konnte: Ein Jahr später sollte Nübel seinen ersten selbst geernteten Trüffel in der Hand halten.

In diesem faszinierenden Interview tauchen wir ein in die Welt des Trüffelanbaus und sprechen mit Christoph Nübel, dem Pionier des ersten kultivierten Trüffels der Bodenseeregion. Wir erfahren mehr über seinen Weg, die Herausforderungen und die kulinarischen Genüsse, die der Trüffel vom See mit sich bringt. 

Viele Jahre musste Christoph Nübel warten, bis er endlich seine Trüffel in den Händen halten konnte

Immer der Nase nach: Von der Idee zur Umsetzung des Trüffelanbaus am Bodensee

Trüffel kennen wir vor allem aus Südländern wie Italien, Spanien und auch Frankreich, da das mediterrane Klima ideal für den Anbau von Trüffel ist. Wie kamen Sie auf die Idee, Trüffel am Bodensee anzubauen?

Als Kind bin ich auf einem Ackerbaubetrieb in der Bodenseeregion aufgewachsen und hatte immer eine starke Verbindung zum Boden, zum Land und zur Natur. Später hatte ich außerdem berufsbedingt die Möglichkeit, verschiedene Arten der Landwirtschaft in Zentraleuropa kennenzulernen.

Bei einer Autofahrt in Österreich hörte ich im Radio, dass in der Region Trüffel angebaut werden. Das brachte mich dazu, mein Wissen über die Landwirtschaft zu nutzen und über den Anbau von Trüffeln nachzudenken. Mein Gefühl sagte mir, dass es auch am Bodensee möglich sein sollte. Obwohl das Klima hier nicht so ideal ist wie im Mittelmeerraum, haben wir prinzipiell ähnliche klimatische Bedingungen.

Meine Experimentierfreude war einmal mehr geweckt und mir war klar: Ja, ich möchte in meiner Heimat den ersten kultivierten Trüffel vom Bodensee anbauen.

Welche Bedingungen sind notwendig für den Anbau von Trüffeln?

Die Bedingungen variieren je nach Trüffelart. Generell sollte der Boden leicht basisch sein, also einen pH-Wert von etwa 7 haben. Das Klima sollte während der Vegetationsperiode moderat sein, mit ausreichend Niederschlag. Zudem ist die Wahl der richtigen Baumwirtspflanzen, wie Eichen oder Haselnuss, entscheidend. Denn der Trüffel kann nur wachsen, wenn die Sporen im Boden mit der Wurzel eines geeigneten Wirtsbaums interagieren. Eine ausreichende Wasserzufuhr und sorgfältige Pflege, einschließlich der Entfernung von Fremdvegetation und einer Menge Geduld, sind ebenfalls wichtig.

Welche Herausforderungen gab es bei der Kultivierung des Trüffels in der Bodenseeregion?

In der Bodenseeregion regnet es deutlich mehr, als in den mediterranen Zonen, wo Trüffel in der Regel angebaut wird. Das Problem daran: Dadurch gibt es mehr Fremdvegetation, die mit den Wurzeln des Wirtsbaums um Platz kämpft.

Als ich 2011 angefangen habe, war es außerdem schwierig, einen Wirtsbaum für die Trüffelsporen zu finden. Mittlerweile gibt es aber auch hier in der Region mehrere Optionen. Die Suche nach einem passenden Grundstück und einem Verpächter, der sich auf dieses langjährige Experiment einlässt, war ebenfalls eine Herausforderung.

Wie haben Sie Ihre Vision in die Tat umgesetzt?

Im Jahr 2011 hatte ich dann endlich einen geeignetes Stück Land in der Region gefunden und war bereit, den Versuch zu starten: Ich begann klein und habe sechs Wirtsbäume gepflanzt, die dann hoffentlich mit den Keimen im Boden reagieren. Ich habe mit der Hilfe von Gleichgesinnten die Plantage gepflegt, mich in die Thematik mehr und mehr eingelesen und auch viel ausprobiert. Am Ende hat es dann auch geklappt, allerdings erst zwölf Jahre später.

„Ich war kurz davor, alle Bäume auszureißen und das Projekt aufzugeben“

12 Jahre ist eine beachtliche Zeit für ein Projekt. Wie haben Sie es geschafft, die Geduld zu bewahren?

Das frage ich mich manchmal auch. Es gab Momente, in denen ich die Hoffnung fast verloren hatte. Im letzten Jahr war ich sogar kurz davor, alle Bäume auszureißen und das Projekt aufzugeben. Zu groß war der Frust darüber, dass ich auch nach elf Jahren keinen Trüffel finden konnte. Am Anfang habe ich damit gerechnet, in fünf bis acht Jahren die ersten Trüffel vom Bodensee ernten zu können.

Und dennoch haben Sie weitergemacht. Was war der Wendepunkt?

Kollegen von mir haben mich bestärkt und gesagt: „Du musst dir noch mehr Zeit geben“. Da habe ich wieder an meine Vision geglaubt. Ein Jahr später hat es dann tatsächlich geklappt.

Der Trüffel vom See überzeugt Restaurants und Gäste im Geschmack

Es hat sicher nicht lange gedauert, bis Sie ihren eigenen Trüffel nach der Ernte probiert haben. Wie würden Sie den Geschmack des Trüffels vom See beschreiben?

Charakteristisch für den Trüffel vom See ist eigentlich nur ein erdiger Geschmack. Das Feedback von Restaurants, die meinen Trüffel schon getestet haben, geht in die gleiche Richtung: Sie bewerten den Geschmack als mindestens gleichwertig zu Trüffeln aus den klassischen Regionen. Es ist jedoch noch zu früh, um sagen zu können, ob die Bodensee-Region einen Einfluss auf den Geschmack hat.

Was ich aber jetzt schon gemerkt habe: Die Frische des Trüffels ist entscheidend für die Intensität des Geschmacks. Hier profitieren lokale Restaurants natürlich von meinem Produkt. Ich ernte den Trüffel nämlich erst nach der Bestellung und bringe ihn dann so schnell es geht zum Resteraunt. Teilweise vergehen zwischen Ernte und Verzehr des Trüffels keine 24 Stunden.

Wer bei diesen Worten Lust auf mehr bekommt: Wo kann man den Trüffel vom See jetzt schon kosten?

Aktuell bieten vier Restaurants meinen Trüffel an. Das „La Oliva“ in Radolfzell serviert hausgemachte Tagliatelle mit Trüffel. Das „ Gasthaus zum Adler“ in Wahlwies bei Stockach verfeinert seine Burgundersauce mit Trüffel und hat aus der Delikatesse eine Wurstpastete gezaubert. Das „Gasthof Löwen Raithaslach“ bei Stockach bietet seinen Gästen Albgold-Spagetti mit meinem Sommertrüffel an – ein Gericht, das übrigens 100 Prozent regional ist. Zu guter Letzt gibt es meinen Trüffel noch in Bodman-Ludwigshafen im Restaurant „Bodano“. Der Obsthof Senger Espasingen ist zwar kein Restaurant, aber auch dort wird mein Trüffel angeboten.  

Der Traum vom Bodensee als Trüffel Hot Spot

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft mit dem Trüffel?

Auch wenn ich jahrelang auf den Trüffel gewartet habe, haben sich die Ereignisse jetzt doch überschlagen. Ich habe viele Ideen und bin gerade dabei, diese langsam in konkrete Pläne umzuwandeln. Im Herbst hoffe ich auf den Beginn der Burgunder-Trüffel-Ernte, die noch intensiver im Geschmack sein sollen.

Eines kann ich aber schon sagen: Ich möchte eng mit lokalen Unternehmen zusammenarbeiten. Damit meine ich nicht nur Restaurants. Ich möchte den Trüffel auch in andere Lebensmittel wie zum Beispiel Salami, Nudeln oder Butter verarbeiten. Meine Vision: In ein paar Jahren hier am Bodensee einen Trüffel-Hot Spot mit lokalen Partnern aufzubauen.

Welche Vorteile hat der Trüffel vom See für lokale Partner?

Der Trüffel vom Bodensee hat den Vorteil, dass es ein nachhaltiges, regionales und Bio-Produkt ist. Jetzt müssen die Unternehmen aus der Region den Trüffel nicht mehr aus fernen Ländern importieren. Der Trüffelanbau ist allgemein nachhaltig: Der Wirtsbaum wird bei der Ernte nicht gefällt und produziert über die Jahre viel Humus. Das führt zu einer positiven Bodenfruchtbarkeit.

Auf der anderen Seite hat die Bodensee-Region auch viele Vorteile für mich. In der Region gibt es Menschen, die Trüffel verarbeiten können. Allen voran hat der Bodensee viele talentierte Köchinnen und Köche, die den maximalen Geschmack aus dem Trüffel rausholen können.

 

Von Tipps für den Urlaub am Bodensee zu Weisheiten für das Leben

Welche Tipps haben Sie für Urlauber am Bodensee, die das Beste aus ihrer Genussreise machen möchten? – Außer natürlich, Ihren Trüffel zu probieren.

Gehen Sie selbst auf Entdeckungsreise! Der Bodensee bietet viele tolle Plätze, Restaurants und liebevoll geführte Betriebe, auch abseits der bekannten Touristenattraktionen. Einer meiner Lieblingsplätze ist in Hödingen, wo man eine fantastische Sicht auf den Bodensee hat. Dennoch verirrt sich hierher nur selten ein Tourist. Deshalb ist mein Tipp: Erkunden Sie auch die kleinen Ortschaften. Gehen Sie in die Natur und entdecken Sie versteckte Plätze, die zu Ihrem ganz persönlichen Lieblingsort am Bodensee werden können.

Was haben Sie bisher aus dem Projekt „Trüffel vom See“ für das Leben gelernt?

Ich habe gelernt, dass man an seine Projekte und Visionen von Anfang bis Ende glauben muss – gerade, wenn alles verloren scheint. Denn Rückschläge wird es im Leben immer geben. Es ist auch wichtig, Gleichgesinnte zu finden und mit denen im Austausch zu bleiben.

„Im Austausch bleiben“ – Ein perfektes Schlusswort, finden wir. Es ist Zeit, das Interview zu beenden, denn der Anblick von Brot und Trüffelbutter hat uns hungrig gemacht. Vielleicht sollten wir dem Beispiel folgen, und unser eigenes, unterirdisches Gold anbauen. Denn dafür lohnt es sich sogar, mehr als ein Jahrzehnt Geduld zu haben.

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